Ab 22. November 2022 werden Tierbesitzer tiefer in die Tasche greifen müssen. In Deutschland tritt eine grundlegende Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte, kurz GOT, in Kraft. Der Gesetzgeber erweitert die GOT von 1999 um viele tierärztliche Leistungen und passt die Preise entsprechend dem heutigen Standard in der Tiermedizin an. Denn: Höchster medizinischer Standard erfordert gut ausgebildetes Fachpersonal und verursacht somit höhere Praxis- und Personalkosten. Was bedeutet das nun für Besitzer von Hund, Katze und Kaninchen? Das Internet ist bereits voller Spekulationen, wie viel mehr Tierbesitzer bei Besuchen von Praxis und Klinik ab November zahlen müssen. Wir haben einmal sehr genau in die Statistik unserer Tierkrankenversicherung geschaut: Welche Leistungen benötigen unsere versicherten Tiere am häufigsten? Wie stark erhöhen sich die Behandlungskosten in der Realität? Und: Was verbirgt sich eigentlich hinter der GOT für Tierärzte genau?
Zuletzt aktualisiert am 18. August 2026
Foto: Alexander Mass / Unsplash
Was ist eigentlich die Gebührenordnung für Tierärzte?
Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) wurde nach § 12 der Bundes-Tierärzteordnung (BTÄO) eingeführt und gibt Tiermedizinern einen Kostenrahmen für tierärztliche Leistungen vor. Von Atmungsapparat und Augen über Blut, Herz und Impfung bis hin zu Verdauungsorganen und Wirbelsäule – in der GOT sind nahezu alle tiermedizinischen Leistungen mit genauen Kosten versehen. Darunter fallen Behandlungen und Operationen, aber auch Beratungen, Untersuchungen oder Diagnostik, wie z.B. das Röntgen. Alle erbrachten GOT-Leistungen seht ihr letztendlich auf eurer Tierarztrechnung.
Aber: Bei Tieren handelt es sich nun mal um lebendige Individuen. So sind Rahmenbedingungen für Behandlungen nicht immer gleich und können sich aufwändiger gestalten. Gründe hierfür dürfen sein:
- Zeitaufwand – wenn z.B. Komplikationen auftreten
- Schwierigkeitsgrad – ein Eingriff ist aufwändiger als erwartet
- Zeitpunkt – außerhalb der üblichen Öffnungszeiten wie z.B. am Wochenende
In einem solchen Fall darf ein Tierarzt vom einfachen GOT-Gebührensatz in einem vorgegebenen Rahmen abweichen und ihn mit einem Faktor zwischen 1 bis 3 Sätze multiplizieren:
- 1-facher GOT-Satz: Der einfache GOT-Satz ist die Gebühr, die vom Tierarzt mindestens erhoben wird. Dieser Satz wird bei Leistungen unter einfachen Bedingungen abgerechnet.
- 2-facher GOT-Satz: Tierärzte können den 2-fachen Gebührensatz verlangen, wenn bei der Behandlung schwierige Bedingungen vorliegen. Dies ist unter anderem der Fall, wenn während der Behandlung Komplikationen aufgetreten sind, das Tier gestresst oder aggressiv war.
- 3-facher GOT-Satz: Der 3-fache GOT-Satz wird in der Regel verwendet, wenn spezielle Geräte oder aufwendige Behandlungsmethoden angewendet werden müssen.
- 4-facher GOT-Satz: Diesen Gebührensatz dürfen Tierärzte ausschließlich bei Notdiensten verlangen.
Wichtig: Bei den GOT-Sätzen sind auch stufenlose Abstufungen möglich, wie z.B. 1,6-facher oder 2,3-facher Satz.
Behandlungskosten im tierärztlichen Notdienst
Im Notdienst dürfen Tierärzte je nach Fall mindestens den 2-fachen und maximal den 4-fachen Gebührensatz für die Behandlung in Rechnung stellen. Zudem fällt eine Notdienstgebühr an, die sich auf einen pauschalen Betrag von 59,50 € inklusive Mehrwertsteuer beläuft. Diese Regelung ist auf die folgenden Uhrzeiten beschränkt:
- Woche: Täglich im Zeitraum von 18 bis 8 Uhr
- Wochenende: Von Freitag 18 Uhr bis zum folgenden Montag um 8 Uhr
- Gesetzliche Feiertage: Von 0 bis 24 Uhr
Bietet deine Tierarztpraxis ihre Sprechstunde bis 20 Uhr an, zählt die Behandlung nicht als Notdienst. Gleiches gilt bei regulären Sprechzeiten am Wochenende.
Wer profitiert von der neuen GOT?
Dass tiermedizinische Leistungen in Deutschland mit vorgegebenen Gebührensätzen abgerechnet werden, hat für Tierbesitzer und Tierärzte gleichermaßen Vorteile. Die GOT ist bedarfsgerecht auf die tiermedizinischen Erfordernisse eurer Lieblinge abgestimmt. Die GOT schützt euch davor, dass einzelne Tierarztpraxen überhöhte Preise verlangen können und die Tierärzte können durch die Abrechnungsvorgabe angemessene Preise verlangen. Das ist fair für beide Seiten.
Neue Gebührenordnung ab November 2022
Das Bundeskabinett hat Ende Mai 2022 per Gesetz eine überarbeitete Gebührenordnung beschlossen. Ab dem 22. November 2022 wird die neue Gebührenordnung für Tierärzte und Tierärztinnen gültig. Als die GOT 1999 zuletzt grundlegend aktualisiert wurde, waren viele der heute häufig verwendeten modernen Therapie- und Diagnostikmöglichkeiten noch gar nicht flächendeckend im Einsatz. Dazu zählen z.B. heute fast schon alltägliche Diagnoseverfahren wie MRT und CT. Eine Überführung der GOT in die Jetztzeit ist daher längst überfällig.
Warum muss die GOT überhaupt erhöht werden?
Zeitgemäße tiermedizinische Verfahren für eine optimale Behandlung unserer Haustiere bedeuten für den Tierarzt einen hohen finanziellen Invest in High-Tech-Ausstattungen und Fortbildung der Mitarbeiter. Die Erhöhung der GOT-Sätze soll diese Kosten abfedern, die bereits vielerorts Einschränkungen von Notdiensten oder komplette Praxisaufgaben zur Folge haben. Aktuell kann für Tierhalter die Anfahrt zur Tierklinik im Notfall je nach Standort mittlerweile gut 1-2 Stunden dauern, da etliche Kliniken bereits ihren Klinikstatus aufgegeben haben.
Wie teuer wurde die Gebührenordnung durch die Novelle?
Das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium sprach bei der Novelle von einer durchschnittlichen Erhöhung der GOT-Leistungen von 20 bis 25 %. Nicht alle GOT-Leistungen wurden dabei teurer – einige wurden sogar günstiger, weil aufwendige Techniken inzwischen bezahlbarer geworden sind. Bei häufig genutzten Alltagsleistungen wie Untersuchungen, Injektionen oder Blutentnahmen fielen die Steigerungen in der Praxis oft deutlich höher aus als der Durchschnittswert des Ministeriums.
Tierarztkosten 2026: Aktueller Stand und Ausblick
Die GOT-Novelle von November 2022 ist auch 2026 weiterhin die gültige Grundlage für tierärztliche Abrechnungen. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat seit Mitte 2025 eine Evaluierung der Gebührenordnung angestoßen; Ergebnisse werden für Ende 2026 erwartet. Größere strukturelle Änderungen sind aktuell nicht angekündigt, weitere Anpassungen sind aber möglich. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald neue Ergebnisse vorliegen.
| Leistung | Richtwert 2026 |
|---|---|
| Allgemeine Untersuchung | ab ca. 30 € |
| Impfung (inkl. Untersuchung) | ca. 40–80 € |
| Kastration Rüde / Kater | ca. 150–350 € |
| Kastration Hündin / Kätzin | ca. 300–800 € |
| Zahnreinigung (mit Narkose) | ca. 150–500 € |
| Notoperation (z. B. Magendrehung) | bis zu 5.000 € |
Richtwerte, herstellerunabhängig, ohne Gewähr — abhängig von Praxis, Region, Tierart und angewandtem Gebührensatz.
Was hilft gegen die höheren Tierarztpreise?
Manche Tierbesitzer legen monatlich Geld für den Vierbeiner zurück, um später auftretende teure Behandlungen oder Operationen zu bezahlen. Das funktioniert in der Praxis oft nicht: Über das gesamte Leben eines Tieres können – gerade bei chronischen Krankheiten – auch mal fünfstellige Kosten auflaufen, und gesundheitliche Probleme können bereits im Welpen- oder Kittenalter auftreten, wenn noch kaum etwas angespart wurde.
Die Folgen können ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten für Tierbesitzer sein. Darum lohnt es sich, frühzeitig zu überlegen, welche regelmäßigen medizinischen Kosten, aber auch welche Kosten im schlimmsten Fall kurzfristig gestemmt werden können.
Tierkrankenversicherung erstattet hohe Tierarztrechnungen
Eine Tierkrankenversicherung schützt Sie vor genau diesen Kostenspitzen. Wer nur das finanzielle Risiko einer Operation absichern möchte, findet in einer reinen OP-Versicherung eine günstigere Alternative. In unserem Tierversicherungsvergleich stellen wir mehrere Anbieter für Hunde und Katzen gegenüber, damit Sie die passende Absicherung für Ihr Tier finden.
